Franka Kruse
Im Kunstraum Alte Kirche Göschenen gastiert zurzeit die freischaffende Künstlerin Christiane Lehmann mit einer Ausstellung unter dem Titel «Transition» – zu deutsch: Übergang. Es ist das Kernthema ihres bisherigen künstlerischen Schaffens, denn die im baden-württembergischen Wilhelmsdorf lebende diplomierte Bildhauerin und studierte Ärztin beschäftigt sich in ihren Werken mit dem Übergang zwischen Natürlichem und künstlich Produzierten, zwischen Mensch und Maschine.
«Wir Menschen greifen immer wieder in natürliche und biologische Prozesse ein und können nicht wirklich abschätzen, wie wir die Erde und die Natur damit verändern», sagt Christiane Lehmann. Sie spielt damit auch auf den viel diskutierten Begriff des Anthropozäns an. Ein Begriff, der als Bezeichnung eines neues geologischen Zeitalters im Raum steht und die Zeit beschreibt, in der die Menschheit zum dominanten Einfluss auf die Erde geworden ist und das biologische, geologische und atmosphärische System global verändert hat.
All diese Prozesse beschäftigen die 71-Jährige; in ihrer Kunst möchte sie dem Ausdruck geben. Ihre gehe es darum, zu registrieren, was mit Natur und Menschen geschehe und es nicht gedankenlos passieren zu lassen. So hat sie die einst sakrale Stätte für eine raumgreifende Installation genutzt, die in Form und Farbe mit der Form der Kapelle und farblich mit ihren Wandreliefs korrespondiert.
Das im ehemaligen Altarraum aufgezeichnete bekannte Kinderhüpfspiel «Himmel und Hölle» spielt auf die kleine blaue Innenkuppel der Kapelle an, eine aus Latex geformte Skulptur erinnert an eine Monstranz. Aus dem heimischen Wilhelmsdorf, wo sie 2012 den Kunstweg «parallele landschaft» ins Leben gerufen hat, um Ambivalenzen des gesellschaftlichen Umgangs mit Natur und Landschaft zu erkunden, hat Christiane Lehmann mehrere Torfblöcke mitgebracht, sie mit gläsernen Laborgerätschaften verknüpft und eine Apparatur mit Computerchips symbolisch als Steuerungszentrale für einen Umwandlungsprozess in Szene setzt.
Erde, Leder, Latex, Wachs und Laborutensilien sind beispielhaft Materialien, die die Künstlerin in ihren Werken verwendet. Hinzu kommen Zeichnungen und Skulpturen, die die Ausstellung «Transition» ergänzen. Der Künstlerin gefällt die Alte Kirche Göschenen als Kunstraum. Sie zeigt Freude daran, mit ihren Werken neue Perspektiven in der speziellen Architektur des Gebäudes zu öffnen und zu betonen.
Transition

